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Krautfäule der Kartoffel: Ursachen, Symptome und Lösungen zum Schutz Ihrer Bestände

Krautfäule der Kartoffel: Ursachen, Symptome und Lösungen zum Schutz Ihrer Bestände

Die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel ist die gefürchtetste Pilzkrankheit im Kartoffelanbau. Ohne ausreichende Überwachung und gezielte Bekämpfung können die Ertragsverluste 80 bis 100 % der Ernte betragen. Die Krankheit zu kennen, ihre Symptome zu erkennen und ihr Auftreten rechtzeitig vorherzusagen ist heute unverzichtbar, um Ihre Bestände abzusichern.

Was ist die Krautfäule der Kartoffel?

Die Kraut- und Knollenfäule wird durch einen Oomyzeten (Falschen Mehltauerreger) namens Phytophthora infestans verursacht. Der Erreger ist äußerst aggressiv und kann sich unter günstigen Witterungsbedingungen innerhalb weniger Tage auf einem gesamten Schlag ausbreiten.

Historisch bekannt ist der Erreger als Auslöser der Großen Hungersnot in Irland Mitte des 19. Jahrhunderts, die über eine Million Todesopfer forderte. Noch heute stellt die Krautfäule eine erhebliche wirtschaftliche Bedrohung für Kartoffelanbauer in Deutschland und Europa dar. In Jahren mit hohem Infektionsdruck können die Kosten für Fungizidbehandlungen allein mehrere Hundert Euro pro Hektar erreichen.

Wie erkennt man die Krautfäule an Kartoffeln?

Die wichtigsten Symptome: Die Krautfäule zeigt sich zunächst durch ölig wirkende, verfärbte Flecken auf der Blattoberseite. An Blattstielen, Stängeln und Knollen verfärben sich die Flecken braun.

Symptome an den Blättern

Die ersten Anzeichen treten in der Regel am Laub auf:

  • Ölig-wässrige, verfärbte Flecken mit durchscheinendem Erscheinungsbild auf der Blattoberseite
  • Weißlich-grauer Pilzbelag (Sporangienrasen) auf der Blattunterseite, besonders bei feuchter Witterung sichtbar
  • Rasches Vergilben und anschließendes Absterben des befallenen Gewebes
  • Typischer Faulgeruch bei starkem Befall

Symptome an Stängeln und Blattstielen

Die Krautfäule beschränkt sich nicht auf die Blätter. An Stängeln und Blattstielen entstehen länglich-braune Läsionen, die die Pflanze schwächen und zum Zusammenbruch führen können.

Symptome an den Knollen

Auch die Knollen können betroffen sein, meist durch Sporangien, die mit dem Regenwasser in den Boden geschwemmt werden. Es entstehen bräunliche, feste Verfärbungen unter der Schale sowie eine rostbraune Verfärbung im Inneren der Knolle. Befallene Knollen lagern sehr schlecht und können den gesamten Lagerbestand infizieren.

Welche Bedingungen begünstigen die Krautfäule?

Phytophthora infestans entwickelt sich unter ganz bestimmten Witterungsbedingungen. Das Zusammenspiel zweier Faktoren ist entscheidend:

Hohe Luftfeuchtigkeit, über 90 %, bedingt durch häufigen Regen oder starken Tau und Milde Temperaturen mit einem Tagesdurchschnitt über 11 °C

Freies Wasser auf den Blättern löst die Keimung der Sporen (Oosporen) aus und leitet die Infektion ein. Deshalb stellen die gewitterreichen Frühjahrs- und Sommerphasen — mit abwechselnd Regen und Wärme — die kritischsten Risikoperioden dar.

Merke: Die ersten Infektionen treten häufig im Mai–Juni zur Zeit des Aufgangs auf, wenn das Laub noch jung und besonders anfällig ist.

Wie lässt sich die Krautfäule vorbeugen und bekämpfen?

1. Resistente Sorten wählen

Einige Kartoffelsorten weisen eine partielle oder vollständige Resistenz gegenüber der Krautfäule auf. Die Sortenwahl ist der erste agronomische Stellhebel, insbesondere im ökologischen Landbau, wo der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel stark eingeschränkt ist. Die Resistenzeinstufungen der zugelassenen Sorten sind beim Bundessortenamt sowie den jeweiligen Landwirtschaftskammern abrufbar.

2. Gute Anbaupraxis anwenden

  • Fruchtfolge: Den gleichen Schlag frühestens nach 3 bis 4 Jahren wieder mit Kartoffeln belegen
  • Durchwuchsbekämpfung: Erntereste und Durchwuchskartoffeln sind primäre Infektionsquellen
  • Sorgfältiges Häufeln: Knolleninfektionen durch bodenbürtige Sporangien begrenzen
  • Bewässerungsmanagement: Möglichst morgens bewässern, damit das Laub schnell abtrocknen kann

3. Fungizidmaßnahmen gezielt steuern

Fungizide bleiben das wichtigste Bekämpfungsmittel. Ihre Wirksamkeit hängt von drei Voraussetzungen ab:

  • Präventiv handeln, bevor Symptome auftreten
  • Spritzabstände dem aktuellen Infektionsdruck anpassen
  • Wirkstoffe wechseln, um Resistenzentwicklungen vorzubeugen

Die Steuerung der Behandlungen auf Basis epidemiologischer Modelle ermöglicht es, die Anzahl der Maßnahmen zu optimieren und die Aufwandmengen an den tatsächlichen Befallsdruck anzupassen.

Krautfäulerisiko überwachen mit vernetzten Wetterlösungen

Die entscheidende Herausforderung in der Krautfäulebekämpfung ist die Vorausschau. Eine Warnung 24 bis 48 Stunden vor einem Risikofenster ermöglicht es, zum optimalen Zeitpunkt einzugreifen: weder zu früh (Mittel wird vor der Infektion ausgewaschen) noch zu spät (Pilz bereits etabliert).

Deshalb sind schlagspezifische Wetterüberwachungstools und Risikoprognosemodelle heute unverzichtbare Werkzeuge für Kartoffelanbauer.

Was Sencrop für Sie ermöglicht

Durch die Kombination hyperlokaler Wetterdaten mit validierten Krankheitsprognosemodellen können Sie mit Sencrop:

  • Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Niederschlag auf Schlagebene in Echtzeit überwachen
  • Individuelle Behandlungsalerts einrichten, basierend auf Kombinationen von Wetterkennwerten (z. B. Temperatur über 10 °C und Luftfeuchte über 90 % über 6 Stunden)
  • Die besten Applikationsfenster identifizieren, indem Windbedingungen überwacht werden — für eine sichere und wirksame Ausbringung
  • Ihre Wetterdaten mit Ihrem gewählten Entscheidungshilfesystem (EHS) verknüpfen, z. B. mit SIMPHYT über ISIP, für eine präzise Terminfindung
  • Niederschlagsmengen schlaggenau erfassen, um Spritzabstände verlängern oder verkürzen zu können — je nach tatsächlich gefallenem Regen auf Ihrem Schlag

Fazit

Die Krautfäule der Kartoffel ist eine ernste, aber beherrschbare Bedrohung. Der Schlüssel liegt in der kontinuierlichen Überwachung der Witterungsbedingungen, der gezielten Steuerung von Pflanzenschutzmaßnahmen und der frühzeitigen Erkennung von Risikophasen. Durch die Kombination guter Anbaupraxis mit vernetzten Wetterlösungen und validierten Entscheidungshilfesystemen verfügen Kartoffelanbauer in Deutschland heute über alle Werkzeuge, um ihre Bestände wirksam zu schützen.

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